Die Kosten eines CNC-Lohnfertigungsauftrags ergeben sich aus mehreren Faktoren: Maschinenstundensatz, Rüstzeit, Materialaufwand, Losgröße und der Komplexität der geforderten Bearbeitung. Als grobe Orientierung gilt: Je präziser die Anforderungen und je kleiner die Serie, desto höher der Stückpreis. Die folgenden Abschnitte erklären die wichtigsten Kostentreiber und helfen Ihnen, Angebote besser einzuschätzen und Ihre Anfrage optimal vorzubereiten.
Welche Faktoren bestimmen den Preis eines Lohnfertigungsauftrags?
Der Preis eines Lohnfertigungsauftrags setzt sich aus Maschinenstundensatz, Rüstkosten, Werkzeugverschleiß, Materialkosten und dem Prüf- und Dokumentationsaufwand zusammen. Hinzu kommen werkstück- und verfahrensspezifische Faktoren wie Bauteilkomplexität, geforderte Toleranzen und der eingesetzte Werkstoff. Diese Kombination macht jeden Auftrag kalkulatorisch einzigartig.
Besonders deutlich wird das bei der Werkstoffwahl: Weiche Aluminiumlegierungen neigen zu Aufbauschneiden, was den Prozess instabiler macht und häufigere Werkzeugwechsel erfordert. Harte oder zähe Stähle liefern stabilere Prozesse, erhöhen aber den Werkzeugverschleiß. Auch Materialinhomogenitäten wie Lunker oder Einschlüsse können das Spanverhalten unvorhersehbar verändern und damit den Aufwand steigern.
Weitere Kostentreiber sind:
- Geforderte Toleranzen: Enge Passungen wie H7 oder H8 erfordern präzisere Prozessführung und höheren Prüfaufwand.
- Bauteilgeometrie: Lange, schlanke Werkstücke oder komplexe Konturen verlängern die Bearbeitungszeit und erhöhen das Risiko von Ausschuss.
- Oberflächenanforderungen: Feinere Oberflächengüten bedeuten zusätzliche Bearbeitungsschritte.
- Qualitätssicherung: Messpflichten, Erstmusterprüfungen oder Dokumentation erhöhen den Gesamtaufwand.
Wie wird die Maschinenlaufzeit bei CNC-Aufträgen berechnet?
Die Maschinenlaufzeit ergibt sich aus Schnittgeschwindigkeit, Vorschub, Bohr- oder Fräsweg und der Anzahl der Bearbeitungsschritte. Rüstzeit, Werkzeugwechsel und Umspannvorgänge werden separat erfasst und in den Stückpreis eingerechnet. Bei kleinen Serien macht die Rüstzeit oft einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten aus.
In der Praxis wird die Laufzeit über Zerspanungsparameter berechnet: Vorschubgeschwindigkeit multipliziert mit dem zurückzulegenden Weg ergibt die Grundlaufzeit. Dazu kommen Nebenzeiten für Werkzeugwechsel, Späneentsorgung und Qualitätsprüfungen während des Prozesses. Beim Tieflochbohren und der Komplettbearbeitung spielt außerdem der Kühlmitteldruck eine Rolle, da er die erreichbare Schnitttiefe und Prozessstabilität direkt beeinflusst.
Ein wichtiger Punkt: Maschinenstundensätze variieren je nach Maschinentyp erheblich. Eine hochpräzise Tieflochbohrmaschine mit langen Verfahrwegen hat einen anderen Stundensatz als ein konventionelles Bearbeitungszentrum. Dieser Unterschied schlägt sich direkt im Angebotspreis nieder.
Was kostet Tieflochbohren im Vergleich zu konventionellem Bohren?
Tieflochbohren ist in der Regel teurer als konventionelles Bohren, weil spezialisierte Maschinen, besondere Werkzeuge und eine aufwendige Kühlmittelversorgung erforderlich sind. Der Mehrpreis ist jedoch bei tiefen Bohrungen mit kleinem Durchmesser gerechtfertigt, da konventionelle Verfahren dort technisch an ihre Grenzen stoßen.
Konventionelles Spiralbohren ist wirtschaftlich sinnvoll bis zu einem Verhältnis von Bohrtiefe zu Durchmesser von etwa 5:1. Darüber hinaus steigen Verlaufsfehler, Werkzeugbruchrisiken und Bearbeitungszeiten stark an. Tieflochbohren beginnt typischerweise ab einem Verhältnis von 10:1 und ermöglicht in der Praxis Bohrtiefen bis zu 9.500 mm, abhängig von Maschinenkapazität und Bauteilgeometrie.
Beim Tieflochbohren sind typische radiale Abweichungen von etwa 0,1 mm pro 100 mm Bohrtiefe erreichbar. Diese Genauigkeit lässt sich mit konventionellen Methoden bei vergleichbaren Tiefen nicht reproduzieren. Toleranzen bis H8 sind prozesssicher, unter optimalen Bedingungen ist auch H7 möglich. Die erreichbare Präzision macht die höheren Kosten für viele Anwendungen wirtschaftlich sinnvoll.
Unterschiede gibt es auch zwischen den Tieflochbohrverfahren selbst: Das Einlippen-Tieflochbohren (ELB) eignet sich besonders für kleine Durchmesser und hohe Präzision, während das BTA-Verfahren bei großen Durchmessern wirtschaftlicher arbeitet. Ejektor-Bohren wird in bestimmten Anwendungen eingesetzt, ist aber ein eigenständiges Verfahren mit anderen Einsatzfeldern.
Welchen Einfluss hat die Losgröße auf den Stückpreis?
Die Losgröße hat einen direkten und erheblichen Einfluss auf den Stückpreis: Rüstkosten und Einrichtungsaufwand werden auf alle Teile einer Serie verteilt. Bei Einzelteilen oder Kleinserien fallen diese Fixkosten vollständig auf ein oder wenige Bauteile, was den Stückpreis deutlich erhöht.
Konkret bedeutet das: Wenn das Einrichten einer Maschine zwei Stunden dauert und der Stundensatz bei 120 Euro liegt, entstehen 240 Euro Rüstkosten. Bei einem Einzelteil trägt dieses Teil die gesamten 240 Euro. Bei einer Serie von 50 Teilen verteilen sich diese Kosten auf 4,80 Euro pro Stück. Dieser Effekt wird als Fixkostendegression bezeichnet und ist einer der wichtigsten Hebel in der Metallbearbeitungskalkulation.
Praktische Empfehlungen zur Kostenoptimierung über die Losgröße:
- Prüfen Sie, ob mehrere ähnliche Bauteile zu einer Sammelbestellung zusammengefasst werden können.
- Klären Sie mit dem Lohnfertiger, ab welcher Stückzahl Mengenrabatte greifen.
- Fragen Sie nach Rahmenaufträgen, bei denen eine Gesamtmenge vereinbart, aber in Abrufen geliefert wird.
- Berücksichtigen Sie, dass Erstmusterprüfungen und Programmieraufwand bei Wiederholaufträgen entfallen.
Welche Angaben muss ich für eine Anfrage bereitstellen?
Für eine belastbare Kalkulation eines CNC-Lohnfertigungsauftrags benötigt der Lohnfertiger: technische Zeichnungen oder CAD-Daten, Werkstoffangaben, geforderte Toleranzen und Oberflächengüten, die gewünschte Stückzahl sowie Informationen zu Lieferterminen. Je vollständiger Ihre Unterlagen, desto präziser und schneller erhalten Sie ein Angebot.
Im Einzelnen sollten Ihre Anfrageunterlagen folgende Punkte abdecken:
- Technische Zeichnung oder 3D-Modell: Bemaßung, Toleranzangaben, Oberflächenrauheitswerte und Passungsangaben müssen eindeutig erkennbar sein.
- Werkstoffspezifikation: Nennen Sie den genauen Werkstoff inklusive Norm, Wärmebehandlungszustand und Härte. Angaben wie „Stahl“ oder „Aluminium“ reichen für eine genaue Kalkulation nicht aus.
- Bohrungsparameter (bei Tieflochbohren): Durchmesser, Tiefe, Verlaufstoleranz und gewünschte Passungsqualität.
- Losgröße und Liefertermin: Auch Angaben zu möglichen Folgebestellungen sind hilfreich, da sie die Kalkulation beeinflussen können.
- Rohteilzustand: Wird das Rohmaterial vom Auftraggeber geliefert oder soll der Lohnfertiger es beschaffen?
Fehlende oder unklare Angaben führen zwangsläufig zu Rückfragen und verzögern das Angebot. Schlimmstenfalls führen sie zu Kalkulationspuffern, die den Preis unnötig erhöhen. Eine vollständige Anfrage vorbereiten spart Zeit auf beiden Seiten.
Wann lohnt sich die Vergabe an einen spezialisierten Lohnfertiger?
Die Vergabe an einen spezialisierten Lohnfertiger lohnt sich, wenn die geforderte Bearbeitung spezifisches Maschinenequipment, tiefes Verfahrenswissen oder eine hohe Prozesssicherheit verlangt, die intern nicht wirtschaftlich vorgehalten werden kann. Besonders bei Tieflochbohrungen, engen Toleranzen oder anspruchsvollen Werkstoffen überwiegen die Vorteile der Spezialisierung deutlich.
Ein interner Vergleich lohnt sich anhand dieser Kriterien:
- Maschinenauslastung: Spezialisierte Maschinen für Tieflochbohren sind kostenintensiv in Anschaffung und Betrieb. Wer sie nicht dauerhaft auslastet, fährt mit Lohnfertigung wirtschaftlicher.
- Verfahrenskompetenz: Prozesssicheres Tieflochbohren bis 46 HRC Werkstoffhärte oder in schwer zerspanbaren Legierungen wie Inconel oder Titan erfordert jahrelange Erfahrung.
- Flexibilität: Lohnfertiger können Kapazitätsspitzen abfangen, ohne dass der Auftraggeber in eigene Ressourcen investieren muss.
- Qualitätssicherung: Spezialisierte Betriebe verfügen über etablierte Prüfprozesse und Messtechnik für die jeweiligen Verfahren.
Werkstoffe mit einer Härte von über 46 HRC sind beim Tieflochbohren nur in sehr seltenen Sonderfällen wirtschaftlich bearbeitbar. Ein erfahrener Lohnfertiger berät Sie bereits in der Anfragephase, ob Ihr Bauteil für das geplante Verfahren geeignet ist, und schlägt gegebenenfalls Alternativen vor. Das verhindert teure Fehlversuche.
Wie Gutekunst bei der Kalkulation und Umsetzung Ihres Auftrags unterstützt
Wir bei Gutekunst sind seit über 125 Jahren auf Tieflochbohren und präzise Metallbearbeitung spezialisiert und unterstützen Sie von der ersten Anfrage bis zur termingerechten Lieferung. Als Lohnfertiger mit umfassender Verfahrenskompetenz helfen wir Ihnen, Kosten realistisch einzuschätzen und Ihren Auftrag effizient umzusetzen.
Was wir für Sie leisten:
- Bearbeitung von Werkstoffen aller Art, von Baustahl und Edelstahl über Aluminium und Titan bis zu Sonderlegierungen wie Inconel oder Hastelloy
- Tieflochbohren mit BTA- und ELB-Verfahren, Bohrtiefen bis zu 9.500 mm, Toleranzen bis H7 unter optimalen Bedingungen
- Komplettbearbeitung aus einer Hand: Drehen, Fräsen, Schleifen und Oberflächenbehandlung ergänzen das Tieflochbohren
- Bearbeitung von Einzelteilen ebenso wie Serienaufträgen, mit hoher Termintreue und enger Abstimmung während des gesamten Fertigungsprozesses
- Technische Beratung bereits in der Anfragephase, damit Sie wissen, ob Ihr Bauteil und Ihr Werkstoff für das geplante Verfahren geeignet sind
Erfahren Sie mehr über unser Unternehmen oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf. Senden Sie uns Ihre Zeichnung und Ihre Anforderungen, und wir kalkulieren Ihnen ein präzises Angebot, schnell, transparent und ohne unnötige Rückfragen.
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