Was kostet Tieflochbohren in der Lohnfertigung und wovon hängt der Preis ab?

Deutscher Maschinenbauer bespricht Kostenkalkulation mit Kollegen in moderner Werkstatt bei natürlichem Licht.

Die Kosten für Tieflochbohren in der Lohnfertigung liegen je nach Auftrag zwischen wenigen Euro pro Bohrung und mehreren hundert Euro pro Werkstück. Der Preis hängt vor allem von Bohrdurchmesser, Bohrtiefe, Werkstoff und Losgröße ab. Die folgenden Abschnitte erläutern die wichtigsten Preistreiber und zeigen, wie Sie Kosten gezielt beeinflussen können.

Welche Faktoren beeinflussen den Preis beim Tieflochbohren?

Der Preis beim Tieflochbohren wird durch eine Kombination aus geometrischen, werkstoffbezogenen und logistischen Faktoren bestimmt. Die wichtigsten Kostentreiber sind Bohrdurchmesser, Bohrtiefe, Werkstoff, Losgröße sowie die erforderliche Oberflächengüte und Maßhaltigkeit. Kein einzelner Faktor entscheidet allein, sondern deren Zusammenspiel.

Geometrie: Durchmesser und Tiefe

Je größer der Bohrdurchmesser und je tiefer die Bohrung, desto länger dauert der Prozess und desto mehr Werkzeugverschleiß entsteht. Besonders das Verhältnis von Bohrtiefe zu Durchmesser, das sogenannte Tiefenverhältnis, ist entscheidend. Bohrungen mit einem Tiefenverhältnis von 1:50 oder mehr erfordern präzise Prozessführung und erhöhen den Aufwand erheblich.

Werkstoff und Spanverhalten

Der Werkstoff beeinflusst nicht nur den Werkzeugverschleiß, sondern auch die Prozessstabilität. Weiche Aluminiumlegierungen neigen zur Aufbauschneidenbildung, was die Oberflächengüte gefährdet und zusätzliche Prozessschritte erfordern kann. Harte oder zähe Stähle liefern stabilere Prozesse, belasten aber das Werkzeug stärker. Bereits geringe Änderungen in der Legierungszusammensetzung oder Wärmebehandlung können das Spanverhalten und damit die Prozesskosten merklich verändern. Werkstoffe mit einer Härte über 46 HRC sind mit Tieflochbohren kaum wirtschaftlich bearbeitbar.

Losgröße und Rüstaufwand

Einzelteile verursachen einen hohen Rüstaufwand im Verhältnis zur Bearbeitungszeit. Bei Serien verteilt sich dieser Aufwand auf viele Werkstücke, was den Stückpreis deutlich senkt. Auch Sonderwerkzeuge, die für spezifische Durchmesser oder Tiefen benötigt werden, schlagen bei kleinen Stückzahlen stärker zu Buche.

Wie unterscheiden sich BTA-, Einlippen- und Ejektor-Tieflochbohren im Preis?

Die drei gängigen Tieflochbohrverfahren, also BTA-Tieflochbohren, Einlippen-Tieflochbohren und Ejektor-Tieflochbohren, unterscheiden sich im Preis vor allem durch ihren Anwendungsbereich und die damit verbundenen Maschinenkosten. Das wirtschaftlichste Verfahren ist dasjenige, das am besten zur jeweiligen Aufgabenstellung passt.

Das Einlippen-Tieflochbohren (ELB) ist besonders bei kleinen Durchmessern und hoher Präzision die erste Wahl. Es erzeugt sehr gerade Bohrungen mit engen Toleranzen, ist jedoch bei großen Durchmessern weniger wirtschaftlich, da die Zerspanungsleistung begrenzt ist.

Das BTA-Tieflochbohren hingegen ist bei großen Durchmessern und großen Bohrtiefen klar im Vorteil. Das Kühlmittel wird außen zugeführt, die Späne werden durch das innere Bohrrohr abgeführt, was hohe Zerspanungsraten bei gleichzeitig sicherem Prozess ermöglicht. Bei entsprechenden Losgrößen ist BTA das kosteneffizienteste Verfahren für große Querschnitte.

Der Ejektor-Bohrer kann auf Standardmaschinen wie Bearbeitungszentren eingesetzt werden, was die Investitionskosten auf Maschinenseite senkt. Er eignet sich für mittlere Tiefen und Durchmesser und bietet eine gute Flexibilität, wenn keine spezialisierte Tiefbohrmaschine verfügbar ist. Nicht das Verfahren allein bestimmt den Preis, sondern die gesamte Prozessauslegung.

Wie wird der Preis für Tieflochbohren in der Lohnfertigung kalkuliert?

In der Lohnfertigung wird der Preis für Tieflochbohren auf Basis von Maschinenstundensatz, Rüstzeit, Bearbeitungszeit und Materialkosten für Werkzeuge und Kühlmittel kalkuliert. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für Pilotbohrungen, Nachbearbeitungsschritte oder Qualitätsprüfungen.

Ein typisches Kalkulationsschema sieht so aus:

  • Rüstzeit: Einrichten der Maschine, Spannen des Werkstücks, Einstellen der Parameter
  • Hauptzeit: Eigentliche Bohrzeit, abhängig von Vorschub und Schnittgeschwindigkeit
  • Werkzeugkosten: Anteilige Kosten für Bohrwerkzeuge, Führungsleisten und Verschleißteile
  • Nebenzeiten: Messen, Prüfen, Umspannen
  • Gemeinkosten: Anteil an Maschinenpark, Energie, Personal und Overhead

Bei der Lohnfertigung im Tieflochbohren ist Transparenz in der Kalkulation ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Seriöse Anbieter können auf Anfrage die wesentlichen Kostentreiber für Ihr Bauteil erläutern.

Wann lohnt sich die Vergabe an einen externen Tiefbohrspezialisten?

Die Vergabe an einen externen Spezialisten lohnt sich immer dann, wenn das Tiefenverhältnis, der Werkstoff oder die geforderte Präzision die Möglichkeiten konventioneller Zerspanungsbetriebe überschreitet. Auch wirtschaftlich ist Lohnfertigung oft vorteilhafter, wenn keine eigene Tiefbohrmaschine vorhanden ist.

Tieflochbohrmaschinen sind kapitalintensive Spezialmaschinen, deren Anschaffung und Betrieb sich nur bei entsprechender Auslastung rechnen. Wer Tiefbohraufgaben nur gelegentlich hat, fährt mit der Vergabe an einen Lohnfertiger in der Regel günstiger, da er weder Investition noch Rüstaufwand trägt.

Darüber hinaus profitieren Auftraggeber von der Prozesskompetenz spezialisierter Betriebe. Schwierige Werkstoffe wie Inconel, Titan oder hochlegierte Werkzeugstähle erfordern tiefes Wissen über Schnittparameter, Kühlmittelführung und Werkzeugauswahl. Fehler in diesem Bereich führen zu Ausschuss oder Werkzeugbruch, was die Gesamtkosten erheblich steigert.

Wie kann man die Kosten beim Tieflochbohren gezielt senken?

Die wirksamsten Hebel zur Kostensenkung beim Tieflochbohren sind eine optimierte Bauteilgeometrie, die richtige Werkstoffwahl, ausreichende Losgrößen und eine frühzeitige Einbindung des Fertigungspartners in die Konstruktionsphase. Wer diese Punkte berücksichtigt, kann den Preis pro Bohrung erheblich reduzieren.

Konkrete Maßnahmen im Überblick:

  1. Normierte Durchmesser wählen: Standarddurchmesser reduzieren Werkzeugkosten, da keine Sonderwerkzeuge benötigt werden.
  2. Losgröße erhöhen: Größere Serien senken den Rüstkostenanteil pro Stück deutlich.
  3. Toleranzen hinterfragen: Enge Toleranzen erhöhen den Prüf- und Nachbearbeitungsaufwand. Nur dort enge Maßhaltigkeit fordern, wo sie technisch notwendig ist.
  4. Werkstoff frühzeitig abstimmen: Manche Werkstoffe lassen sich deutlich effizienter tiefbohren als andere. Eine frühe Abstimmung mit dem Fertigungspartner kann helfen, einen besser zerspanbaren Werkstoff zu wählen, ohne die Bauteilanforderungen zu kompromittieren.
  5. Komplettbearbeitung bündeln: Wenn Drehen, Fräsen und Tieflochbohren beim gleichen Anbieter erfolgen, entfallen Transportwege und Rüstaufwände zwischen verschiedenen Betrieben.

Lunker, Einschlüsse oder andere Materialinhomogenitäten können den Prozess unvorhersehbar beeinflussen und zu Mehrkosten führen. Eine Materialprüfung oder die Verwendung von geprüftem Halbzeug kann hier Sicherheit schaffen.

Wie Gutekunst bei der Kostenkalkulation und Prozessplanung unterstützt

Als Tiefbohrspezialist mit über 125 Jahren Erfahrung unterstützen wir unsere Kunden nicht nur bei der Fertigung, sondern bereits bei der Planung. Wir kennen die Kostentreiber beim Tieflochbohren aus der täglichen Praxis und helfen Ihnen, Ihr Bauteil wirtschaftlich umzusetzen.

Was wir Ihnen konkret bieten:

  • Beratung zur Verfahrensauswahl, ob ELB oder BTA, abhängig von Ihrem Bauteil und Ihren Anforderungen
  • Bearbeitung nahezu aller metallischen Werkstoffe, von Baustahl über Aluminium bis zu Hochleistungslegierungen wie Inconel oder Titan
  • Bohrtiefen bis zu 7.000 mm und Komplettbearbeitung aus einer Hand, von der Pilotbohrung bis zur Oberflächenbehandlung
  • Zuverlässige Terminplanung und enge Abstimmung über den gesamten Fertigungsprozess
  • Transparente Kalkulation für Einzelteile ebenso wie für Serienaufträge

Sprechen Sie uns an, wenn Sie eine Anfrage haben oder unsicher sind, welches Verfahren für Ihr Bauteil das wirtschaftlichste ist. Über unsere Kontaktseite erreichen Sie uns unkompliziert für ein erstes Gespräch.

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